Kanalinsel Sark – Zu Besuch in den Seigneurie Gärten

Rund eine Stunde dauert die Fahrt mit dem Schiff von der Kanalinsel Guernsey zu einem der weiteren geologischen Gipfelreste des Armorikanischen Massivs. Etwa fünfhundert Einwohner hat die rund 5.5 Quadratkilometer grosse Insel Sark. Unterwegs ist man hier auf Traktoren, Pferdekutschen die aus den beiden durch den Grat La Coupée verbundenen Teilen Great Sark und Little Sark besteht, Velos oder zu Fuss, denn Autos sind verboten.

Wir haben die Insel auf den ungeteerten Strassen radelnd erkundet. Die wenig ausgeprägten Steigungen schaffen auch untrainierte Velofahrer und werden unterwegs immer wieder mit spektakulären Aussichten belohnt. Dank dem vom Golfstrom beeinflussten Klima fühlt sich die Touristin wie in einem grossen grünen Garten.

Mindestens zwei sehenswerte Gärten gibt es auf dem kleinen Eiland. Einen haben wir durch ein am Strassenrand stehendes Schild «Garden open today» entdeckt und spontan im Schnelldurchgang erkundet, der Besuch von «La Seigneurie House and Gardens» gehörte zum gebuchten Programm unseres Tagesausflugs. Die Seigneurie ist der Sitz des traditionellen Lehnherrs der britischen Krone. Der jeweilige Amtsinhaber bezahlt der britischen Krone als Besitzer der Insel einen jährlichen Pachtzins von 1 Pfund 79 Cent. Mit der jahrhundertealten Vereinbarung verbunden ist der Auftrag, das Eiland zu besiedeln und es gegen Piraten und Frankreich zu schützen.

Die Anlage bietet einen beeindruckenden Gegenpol zu den windgepeitschten Bäumen, die uns neben blühenden Wiesen und Schafweiden vom Velosattel aus aufgefallen sind. Zunächst haben wir uns beim Rundgang durch die Anlage an die Reihenfolge im Plan gehalten. Im Gegenuhrzeigersinn ging es entlang des Taubenschlags Richtung Obstwiese, von wo aus wir dann an verschiedenen grünen Gräsern vorbei den Baumstumpf- oder Totholzgarten (Stumpery) erreicht haben. Wenige Schritte weiter schweift der Blick zurück über die Archery Lawn, die auf einer Seite durch den mit hohen Gehölzen bepflanzten Milizhügel begrenzt wird.

Über den auf der westlichen Seite des Geländes versteckt liegenden Teich führt die geschwungene rote «Da Vinci-Brücke», die nicht öffentlich zugänglich ist. In diesem Teil des Gartens ist die Bepflanzung sehr dicht, fast dschungelähnlich, etwa mit mannshohen roten Fuchsien (Fuchsia magellanica).

Ein weiteres spannendes Element im Garten ist das Amphitheater aus dem Jahr 2016, das regelmässig für Veranstaltungen genutzt wird. Direkt angrenzend liegt der «Walled Garden». Das von Granitmauern umgebene längliche Rechteck ist in ungefähr drei gleich grosse Flächen unterteilt. Etwa zwei Drittel nehmen der formale Garten und die Früchte-, Gemüse- und Schnittblumenbeete ein. Die übrige geschützte Fläche zwischen den Mauern teilen sich die Gärtnerei und ein Irrgarten. Das gesamte eingefriedete Areal wird durch eine gerade Mittelachse geteilt. Entlang dieses Weges blühten bei unserem Besuch in der zweiten Maihälfte unzählige Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianum),

Die parkähnliche Anlage und insbesondere der ummauerte Garten haben uns beeindruckt. Eiben werden als Hecken und Solitäre eingesetzt, während buchsgesäumte Beete einen grünen Rahmen für verschiedene Rosen bilden. Die Bepflanzung wirkt trotz ihrer enormen Vielfalt samt Vertretern aus exotischeren Gefilden, erstaunlich harmonisch. An den Mauern wachsen Kletterpflanzen wie Clematis und Glyzinien, während innerhalb des «Walled Garden» Aeonien in rot und grün vom Mikroklima profitieren und teilweise deren gelben Blütenpyramiden auf hohen Stängeln über den Dickblattpflanzen schweben.

Daneben wecken imposante Euphorbien und riesige Natternköpfe (Echium) die Aufmerksamkeit der Besucherin und in unmittelbarer Nachbarschaft wachsen Farne, Fingerhüte, Magnolien, Malvengewächse, gelbe Strauchmargeriten, Yuccas und vieles andere mehr. Der Garten liegt zwar nicht direkt am Meer, aber die Küste ist nirgendwo auf der Insel Sark weit weg. Erstaunlich, welche Pflanzenpalette den bestimmt vorhandenen salzigen Winden trotzt.

In der Kapelle kann auf Schautafeln ein Einblick in die Geschichte der Seigneurs auf Sark genommen werden. Vertieftere Informationen zum Feudalismus, den Auswirkungen von fehlenden Steuereinnahmen in finanzieller und ökologischer Sicht sind im Internet einfach zugänglich.

Zu meinen weiteren hortikulturellen Höhenpunkten auf den im Mai 2025 vier besuchten Kanalinseln zählten die in Vollblüte stehenden Orchideenfelder (verschiedene Knabenkräuter) auf Jersey und die «Lost Place»-Gewächshäuser auf Guernsey, auf die wir zufällig gestossen sind, als wir ein weiteres Orchideenfeld verpasst haben. Die beiden Entdeckungen bildeten eine mehr passable Entschädigung für das Nicht-Sehen der Papageientaucher auf der Insel Herm (puffins).

Dieser Artikel ist in der Ausgabe Frühling 2026 des Vivace, der Mitgliederpublikation der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde GSS, erschienen)

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