Mit dem frühen Tod ihrer älteren Schwester, dem Konkurs ihres eigenen Coiffeursalons und dem Verlust der Wohnung ist die Mitdreissigerin Petra in kurzer Zeit mit mehreren heftigen Schicksalsschlägen konfrontiert worden. Demgegenüber hat die junge Frau erst kürzlich erfahren, dass ihre Familie in dem kleinen schwedischen Ort Nyponviken eine Wohnung besitzt. Obwohl Petra keine Ahnung hat, warum ihre verstorbenen Eltern dieses Appartement nie erwähnt haben und sie die anderen Bewohner der Liegenschaft nicht kennt, beschliesst sie in ihrer Verzweiflung, vorübergehend dorthin zu ziehen.
Nachdem Petra ihre wenigen Habeseligkeiten gepackt hat, fährt sie mit ihrer zwölfjährigen Nichte Charlie, für die sie nach dem Tod von deren alleinerziehenden Mutter nun verantwortlich ist, von Stockholm raus aufs Land. Charlie ist gar nicht begeistert von diesem Vorhaben. Und ihrem Freund hat Petra gar nicht erst mitgeteilt, wohin sie fährt, weil die gemeinsame Beziehung ihrer Meinung nach sowieso keine Zukunft hat.
Petras Gedanken kreisen um viele Ängste und Sorgen. Wen werden sie antreffen und wie werden sie empfangen werden? Wird sie einen Job finden? Ein heftiger Schneesturm kurz vor dem Ziel sorgt für zusätzliche Herausforderungen. Die Wohnung ist Teil einer Liegenschaft, die an einen grösseren Hof grenzt, an den ausserdem eine Gärtnerei und ein Café angegliedert sind. Hier leben und arbeiten Viveka, deren Mutter Berit, Maja und der ältere Gärtner Holger.
Viveka, die Inhaberin der Gärtnerei, freut sich über die Ankunft von Petra und Charlie und bietet der Städterin sofort an, als Aushilfe in ihrem Betrieb zu arbeiten, obwohl diese als Coiffeuse keinerlei Erfahrung mit Grünzeug hat. Von Holger lernt Petra, wie wichtig es ist, Verblühtes regelmässig zu entfernen und vor dem Giessen zu prüfen, ob es überhaupt notwendig. Schliesslich gibt es Pflanzen, die sehr durstig sind (Azaleen) und andere, die weniger gewässert werden müssen (Hyazinthen).
Mit Holger kommt Petra gut zurecht, obwohl dieser grundsätzlich lieber mit Pflanzen spricht, als dass er sich mit Menschen beschäftigt und den Kontakt mit aufrecht gehenden Zweibeinern wann immer möglich vermeidet. Weniger begeistert über die Neuzuzüger aus Stockholm erscheint die brummige Überachtzigerin Berit, die mit Maja das Café führt.
Die Gewächse sind dank Holgers Fürsorge in einem hervorragendem Zustand. Doch Petra bleibt nicht verborgen, dass die Gärtnerei aus verschiedenen Gründen mit finanziellen Problemen kämpft. Kürzlich war die Gärtnerei nach einem Unfall mehrere Monate geschlossen. Die billigen Importe grosser Konkurrenten tun ihr Übriges, dass die Umsätze kaum die Kosten decken.
Eines Morgens entdeckt Petra einen Adventskalender vor der Tür, der vor etlichen Jahren von der sehr jung verstorbenen lokalen Künstlerin Lilly gestaltet worden ist. Täglich verbirgt sich hinter einem Türchen ein Zitat sowie die die Aufforderung, ein Geschäft im Dorf aufzusuchen. So lernt Petra verschiedene einheimische Kleinunternehmen und deren Besitzerinnen und Besitzer kennen. Und immer wieder ist die Rede von der eigenwilligen Lilly.
Dieser aussergewöhnliche Adventskalender führt Petra in eine Reise in die Vergangenheit ihrer eigenen Familie. Wer hat ihr dieses bedeutsame Schmuckstück vor die Türe gelegt? Wer war Lilly und welche Verbindung besteht zwischen Petra und Lilly? Wichtige Stichworte zum Inhalt der Lektüre sind Missverständnisse, gänzlich fehlende oder fehlbare Kommunikation über Generationen hinweg, Familiengeheimnisse und Neuanfänge. Und ganz nebenbei erhält die Leserin zusammen mit Petra allerlei Tipps zur Pflanzenpflege, etwa wie eine Amaryllis dazu gebracht wird, im nächsten Jahr wieder zu blühen
Den Adventsroman «24 Wege nach Hause» von Jenny Fagerlund habe ich während einem von mehreren Spitalaufenthalten in einer Vorweihnachtszeit gelesen. Das Adventskalenderthema im Buch dünkte mich passend zum Jahresende. Schon nach wenigen gelesenen Seiten hat mich aber ein Themenfeld der Lektüre heftig «getriggert». Schliesslich habe ich dem Buch doch noch eine Chance gegeben und der Auslöser für schlechte Gefühle hat sich als eher nebensächlich herausgestellt.
Jenny Fagerlund:
24 Wege nach Hause
Dumont Buchverlag Verlag, 2023
Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.