Den hortikulturellen Blick ins Buch betreffend beginnt die Lektüre dieses Krimis äusserst vielversprechend mit einem von Blumen überquellenden Garten, dessen Bepflanzung mit Rhododendren, Magnolie, Kamelien und Blütenteppichen aus Vergissmeinnicht und Blättern von Maiglöckchen detailliert beschrieben wird. Und es geht dann lesend sogleich weiter an ein Treffen des Komitees für einen Wettbewerb um den schönsten Garten, das in einer perfekt geplanten und umsorgten parkähnlichen Anlage stattfindet, die Vergleiche mit englischen Vorbildern nicht scheuen muss.
Die Leserin erfährt von einer Teilnehmerin des Wettstreits, die einen ähnlich hohen oder noch grösseren Aufwand in der Gartenpflege betreibt. Da sie aber gleich zwei verschiedene Landschaftsgartenbetriebe für Umgestaltung, Kultivierung und Unterhalt ihres grossen Gartens engagiert hat, die im Süden und im Norden jenseits der jeweiligen Grenzhecke ihre Betriebe haben und deren Gärtner sich nicht auf einen gemeinsamen und einheitlichen Gartenstil einigen wollen, sind ihre Chancen auf den Gewinn des Gartenwettbewerbs mangels dem Bewertungspunkt Harmonie eingeschränkt oder nicht gegeben. Dabei unterstützt diese Frau mit ihrem Gebaren das gärtnerische Handwerk, weil nämlich jährlich andere Auszubildende in den letzten beiden Semestern ihrer Lehrzeit in diesem Park nach eigenen Ideen schalten und walten dürfen und damit wichtige Erfahrungen für die berufliche Zukunft sammeln können.
Rund um den erwähnten Gartenwettbewerb, einen vergifteten See, skurrile englische Ladies, die eigentlich gar keine solchen sind, aber seltsam zu lesendes Deutsch-Englisch parlieren, passieren verschiedene Verbrechen, welche die ein «wenig ermittelnde» Notariatspraktikandin Andrea aus dem Buchtitel aufklären will. Dabei wird sie selber durch die im Buch inflationär konsumierten Aufgüsse aus Engelstrompetenblüten fast zu einem Opfer.
Recht viele verschiedene Leute kommen in diesem Krimi vor. Diese reden viel, haben aber oft nicht nicht wirklich etwas Wichtiges beizutragen. Da ich diese Plaudereien irgendwann nur noch oberflächlich gelesen habe, ist mir irgendwan der Faden in der Erzählung entglitten. Die Tierwelt ist mit Seidenhühnern und einem Hund vertreten. Und dann gibt’s noch die Katze Samira. Sie hat Auftritte in Form von gelungenen Zeichnungen und immer wieder im Kopf von Andrea, wo die Hobby-Ermittlerin mit dem Tier Gespräche führt. Diese Unterhaltungen empfand ich als verwirrend, da deren sinnbildlicher Hintergrund nicht immer klar aus dem Text hervorgeht.
Dieser Gartenszene-Krimi mit dem eher ungewöhnlich langen Titel /Untertitel ist das vierte Buch einer Niederrhein-Serie der Autorin Ursula Fuchs. Offen gestanden bin ich mit diesem E-Buch nicht richtig warm geworden. Nachdem ich die letzte Seite zu Ende gelesen hatte, nahm es mich wunder, welche Eindrücke andere Leserinnen und Leser zu diesem Buch oder den anderen Publikationen dieser Krimiserie im Internet hinterlassen haben. Dabei bin ich auf die nett gestaltete Webseite der Autorin gestossen. Die Buchreihe ist anscheinend schon rund ein Jahrzehnt vor der Publikation geschrieben worden. Im Nachhinein vermute ich, dass die Lektüre des gedruckten Buches wegen der Illustrationen ein besseres Erlebnis gewesen wäre.
Ursula Fuchs:
Von Gärtnern und Mördern – Andrea ermittelt (nur ganz wenig)
Books on Demand, 2024
Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.