Das imposante Herrenhaus Rosewood Manor ist umgeben von einem wunderschönen Garten, der in fast endlose Ländereien übergeht, welche seit mehreren Jahrhunderten im Besitz der Familie Blackwood sind. Die aktuelle Erbin Lady Agnes Blackwood ist alleinstehend und hat keine nahestehenden Familienmitglieder. Ein Butler und eine Köchin kümmern sich um ihre Bedürfnisse und das Haus, weitere soziale Kontakte sind selten. Sie führt ein abgeschirmtes Leben und hat wenig Bezug zu den Sorgen und Nöten der Nachbarn. Oft fühlt sich Lady Agnes einsam. Neben dem Lesen von Kriminalromanen hat sie schon mit unterschiedlichen Beschäftigungen versucht, die Zeit tot zu schlagen. Sie hat etwa Kuckucksuhren und Gartenzwerge gebastelt.
Und nun liegt ihr Gärtner tot im Rosenbeet. Offensichtlich nicht erschlagen, aber in seinem Herz steckt eine Rosenschere. Der mit den Ermittlungen betraute Kommissar Edward Sterling pflegt offensichtlich eine tief verwurzelte Abneigung gegen Lady Agnes. Sein zusammengewürfelter Kleidungsstil in Kombination mit seinem ungebührlichen Verhalten veranlassen die Hochwohlgeborene, sich selber um die Lösung des Mordfalls zu bemühen.
Schliesslich hat sie ja einschlägige theoretische Erfahrung aus der Lektüre von Krimis. Ihr ist die damit verbundene potentielle Gefahr durchaus bewusst, doch die Vorteile in Form von Ablenkung von ihren finanziellen Sorgen sind eindeutig ein Pluspunkt. Lady Agnes grösste Sorge gilt nämlich dem Verlust von Rosewood Manor. Mangels Einnahmen und Kreditwürdigkeit muss sie wohl sehr bald entweder Werke aus der von Ihrem Grossvater und ihrer Mutter angelegten Kunstsammlung verpfänden oder sogar verkaufen und ihren beiden treuen Angestellten kündigen.
Da es die prekäre finanzielle Lage von Lady Agnes nicht erlaubt, einen Nachfolger für den ermordeten Gärtner einzustellen, will sie sich nun zusammen mit ihrem abergläubischen Butler Thomas Henderson, der schon seit dreissig Jahren für sie arbeitet, um den Erhalt des prächtigen Gartens kümmern. Die beiden melden sich für einen Rosenkurs bei Arthur Scott an. Sie wollen gemeinsam praktische Erfahrung im Gärtnern sammeln und zeitgleich ein wenig Recherchieren. Der Referent Arthur Scott und Daniel Green waren kürzlich nämlich als Konkurrenten eines Rosenzuchtwettbewerbs in eine heftige Auseinandersetzung verwickelt.
Die beiden neuen Gesichter aus dem Herrenhaus werden von den übrigen Kursteilnehmern neugierig ausgefragt und sogleich davon überzeugt, den Garten von Rosewood Manor für den unmittelbar bevorstehenden örtlichen Gartenwettbewerb zu öffnen. Damit ist auch der Kontakt zum Willowford Garden Club hergestellt, der sogleich anbietet, die Entwicklung des Gartens von Rosewood Manor in einer Kolumne im Willowford Whisper zu dokumentieren.
Die Lektüre hat einen niedrigen Spannungsbogen, aber ein überraschendes Ende. Neben dem Mord gibt es etliche andere Nebenschauplätze. Stichworte sind etwa die Fälschung von Kunstwerken, eine verschwundene Katze, eine stark belastete Mutter-Tochter-Beziehung und die hortikulturellen Elemente Düngemittelattacke und Gartenwettbewerb in Verbindung mit Hecken Schneiden, Schädlingsbekämpfung sowie der Entfernung von Unkraut und welken Blüten.
Ich vermute, dem einen oder anderen Charakter aus dem Krimi begegnet man in einer Fortsetzung wieder und bin schon einmal gespannt, wie sich die von distanzierter Höflichkeit geprägte Beziehung zwischen Lady Agnes und Butler Henderson entwickelt. Für Auflockerung sorgen gelegentlich besonders prägnante Sätze wie (Zitat aus dem Roman) «je häufiger er Mrs. Wilson traf, umso weniger vermisste er sie».
Helen Herbst:
Lady Agnes und der tote Gärtner im Rosenbeet
Gmeiner Verlag, 2025
Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.