Gabriela Kasperski: Diesseits vom Jenseits

Der Tod ist allgegenwärtig in diesem ersten Fall «Diesseits vom Jenseits» rund um den Friedhofsgärtner Paul Blom von Gabriela Kasperski. Die Berührungspunkte beginnen mit erbrechtlichen Belangen in einer Anwaltskanzlei und führen zu Friedhöfen in Zürich und London.

Letzte Ruhestätten sind primär Orte von Trauer und Abschiednehmen, aber auch von Begegnungen und Erinnerungen. Friedhöfe sind aber auch Arbeitsplätze für Gärtner, zu deren Aufgaben die Pflege der Grabbepflanzung und der oft sehenswerten Gehölze gehören. Hinter jedem Namen auf den Grabsteinen verbirgt sich eine Lebensgeschichte. Und manchmal wird sogar statt oder neben einem verwesenden Körper Gold in der Erde vermutet.

Die Tätigkeit eines Friedhofsgärtners beansprucht gänzlich andere Muskeln als das häufige Sitzen als Anwalt. Heutzutage ist auch die Gefahr, sich im Büro Schnittwunden zuzuziehen, wegen der fortschreitenden Digitalisierung und dem Rückgang des Papierverbrauchs noch niedriger als vor einigen Jahren. Und ganz sicher geringer, als sich mit einer Garten- oder Heckenschere zu verletzen. Doch wieso kommt ein Anwalt überhaupt dazu, plötzlich zwischen Grabsteinen Beikräuter und Ackerwinden zu jäten?

Paul Blom führt seit vielen Jahren eine eigene Kanzlei. Er trägt schwer am Verlust seines Kindes und dessen Asche immer mit sich herum. Bloms Bestreben, einem früheren Freund, der sich nach vielen Jahren bei ihm gemeldet hat, einen Gefallen zu tun, führt ihn auf den Friedhof Enzenbühl. Als er dort mit einem Praktikanten verwechselt wird, sieht er keine Veranlassung, das Missverständnis aufzuklären und wird gleich in die hektischen Vorbereitungen für eine Beisetzung mit einbezogen.

Parallel zu den Vorkommnissen in Zürich bestreitet die junge Archäologin und Restauratorin Ruby in London ihren Lebensunterhalt mit mehreren Jobs. Und sie versucht, neben dem Masterstudium ihre polnische Mutter finanziell zu unterstützen, deren Waschsalon mehr schlecht als recht läuft, aber Basis für ein gut geflochtenes Netzwerk von nützlichen Leuten für fast alle möglichen und unmöglichen Fälle ist. Um die Bekanntheit ihres Podcasts zu steigern, dreht Ruby eine Folge in einem wenig bekannten, versteckt gelegenen Friedhof der britischen Hauptstadt. Sie dringt in ein Familien-Mausoleum ein und löst mit dem Livestream und der Erwähnung von angeblichem Totengold grosse Aufregung aus. Nachahmer stürmen die Ruhestätte und Ruby findet sich im Gefängnis wieder. Aus der Verhaftung resultiert dann aber ein Auftrag, der sie nach Zürich führt.

So kreuzen sich die Wege von Ruby und Paul im Friedhof Enzenbühl, wo Paul Blom als Praktikant zwischen Gräbern inzwischen bereits gelernt hat, dass des Gärtners ärgste Widersacher unvollständige Jätaktionen sind, welche das unerwünschte Grünzeug nicht vernichten, sondern im Gegenteil zu noch mehr Wachstum anregen. Er macht Bekanntschaften mit regelmässigen Besuchern und entscheidet schon einmal eigenmächtig, Wildblumen auszusäen, wo eigentlich Begonien wachsen sollen.

Im Frühling 2025 ist bereits eine Fortsetzung mit dem Titel «Roulette der Gebeine» erschienen, in welcher die Friedhöfe Fluntern in Zürich und Glasnevin in Dublin eine Rolle spielen. Und spätestens bei meinem nächsten Englandbesuch will ich für mich herausfinden, ob es dort tatsächlich auch Farmer-Stängel gibt.

 

 

Gabriela Kasperski:
Diesseits vom Jenseits – Der erste Fall für Friedhofsgärtner Paul Blom
Atlantis Verlag, 2023

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

Posts created 144

Schreiben Sie einen Kommentar

Related Posts

Begin typing your search term above and press enter to search. Press ESC to cancel.

Back To Top