Sina Junker: Seeliebe und Blumengeflüster

Luise Stanzinger ist nach drei Jahren Ausbildung in Frankreich zurück ins elterliche Hotel am Starnberger See gekehrt. Im Gepäck der Heimkehrerin stecken neben viel neuem praktischen und theoretischen Wissen auch etliche Ideen, welche die Auslastung des Stanzinger Hofs erhöhen sollen. Grösser und Moderner soll er auf jeden Fall werden. Dieses Ziel steht ganz oben auf der Luises Liste.

Die junge Frau setzt sich selber stark unter Druck und möchte jeden Handgriff im Hotel überwachen. Jede Serviette muss perfekt gefaltet sein. Ihre Kompetenz unterstreicht sie mit Hosenanzügen und perfekt gestylter Frisur, übersieht aber jene der Angestellten. Ist dieses (misstrauische) Ich wirklich die zweiunddreissigjährige Luise? Unter der Fassade der dynamisch und streng auftretenden Geschäftsfrau verbergen sich Reue, Schuld und Scham.

Als sich der Hotel-Florist gleich für mehrere Tage krankmeldet, steht Luise vor einer ersten grossen Herausforderung. Wer kann die Blumendekoration für die Feier des gleichentags stattfindenden Anlasses und die in den nächsten Tagen geplanten Festlichkeiten liefern?

Luise findet in Casper Blumenstein einen Floristen, der sich bereit erklärt, die Blumen für den Abend rechtzeitig zu liefern. Doch er gibt sich nicht mit der Information zufrieden, dass seine Kreation für einen runden Geburtstag benötigt wird. Bevor er loslegt, will er etliche konkrete Angaben zur Jubilarin erhalten, damit er den für des Geburtstagskind passenden Blumenschmuck anfertigen kann. Schliesslich sind Blumen keine Ware, sondern haben je nach Sorte eine andere Bedeutung.

Seit zehn Jahren führt der Mitdreissiger Casper Blumenstein einen eigenen Blumenladen. Er denkt viel über sich nach, auch sein Handeln und die Aktionen und Reaktionen seiner Gegenüber reflektiert er. Die Ergebnisse seiner zahlreichen Überlegungen lässt er in seine floralen Werke einfliessen. Bereits die erste Begegnung mit Luise Stanzinger verschafft ihm einigen Stoff zum Nachdenken.

«Seeliebe und Liebesgeflüster» von Sina Junker ist ein abwechselnd aus Sicht von Luise und Casper in Ich-Form erzählter Liebesroman mit wenig Tiefgang. Zunächst ist immer wieder die Rede von Schuld und Reue wegen einem familiären Zwischenfall kurz vor Luises Abreise nach Paris. Die diesbezüglichen Hinweise waren eher dürftig und das Problem wirkte auf mich als Leserin eher aufgebauscht. Praktisch alle Unstimmigkeiten werden dann aber gegen Ende der Lektüre mit einigen wenigen Gesprächen aus der Welt geschafft. Die Handlung des Romans war so klar vorhersehbar, wie der Spannungsbogen flach. Dank einigen blumigen Einschüben wie etwa Einblicke in die Blumensprache und ein Besuch auf der Roseninsel im Starnberger See, passt das Buch gut in den Reigen der Sofagartenempfehlungen.

 

 

Sina Junker:
Seeliebe und Blumengeflüster
Eigenverlag, 2025

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

 

 

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