Eva-Maria Bast: Die Blumeninsel im Bodensee

Wer heutzutage auf die geografische Bezeichnung «Insel Mainau» stösst, denkt wohl unweigerlich an Blumen sowie Blüten und vielleicht sogar an die jährliche Wahl der schönsten Dahlie. Die Bodenseeinsel in ein Blumenparadies verwandelt hat Lennart Bernadotte, einziger Sohn von Prinz Wilhelm von Schweden und der russischen Grossfürstin Maria Pawlowna. Als junger schwedischer Prinz war er zum ersten Mal auf der Insel, auf der er ab den 1930er Jahren die Basis geschaffen hat, aufgrund derer sich das damalige dschungelähnliche Eiland zu dem heutigen Tourismusmagnet im Bodensee entwickelt hat.

Basierend auf der von Bernadotte selbst verfassten Lebensgeschichte «Ein Leben für die Mainau» hat Eva-Maria Bast den fiktiven Roman «Die Blumeninsel im Bodensee» geschrieben. Ich hätte gerne in wieder einmal in meinem Exemplar des Buchs «Ein Leben für die Mainau» geblättert, kann es aber auf meinem Regal nicht finden, obwohl es gemäss meiner Bücherliste dort stehen sollte. Dafür habe ich wieder einmal in die Publikation «Der König vom Bodensee» hereingeschaut, den ich hier vorgestellt habe.

Lennarts Mutter hat Sohn und Ehemann verlassen als er fünfjährig war. Im Roman wird die Beziehung zwischen Vater und Sohn zunächst als relativ eng beschrieben. Das von den beiden gemeinsam erstellte Blumenbuch sorgt für erste erwähnenswerte hortikulturelle Elemente im Roman. In einer Blumenpresse werden pflanzliche Fundstücke gepresst und anschliessend gemeinsam wie in einem Herbar auf die Seiten geklebt und damit konserviert.

Nachdem der Vater eine neue Beziehung mit einer Mutter von zwei Kindern eingeht, lässt sein Interesse am Sohn merklich nach. Die Grossmutter Königin Viktoria von Schweden kümmert sich um ihren Enkel Lennart und bringt ihn zum ersten Mal auf die Bodenseeinsel. Diese hinterlässt bei dem Jungen mit ihrem Arboretum, italienischem Rosengarten, Orangerie und den Überwinterungshäusern für exotische Pflanzen einen bleibenden Eindruck.

Als junger Mann kehrt Lennart Bernadotte ohne Prinzentitel mit seiner frisch angetrauten bürgerlichen Frau Karin Nissvandt und etlichen Ideen zurück auf die Insel Mainau. Der langjährige Inselgärtner Nohl kennt jede Pflanze auf dem Eiland und ist angesichts der geplanten Veränderungen skeptisch. Bernadotte muss sich Nohls Vertrauen und Respekt erarbeiten und behutsam vorgehen. Denn ihm es geht nicht nur darum, kranke und weniger schön gewachsene Bäume zu fällen. Er will Sichtachsen freilegen und eine freie Aussicht vom Schloss auf den Bodensee. Durch jahrlang vernachlässigte Pflegemassnahmen und dem daraus resultierenden Dschungelcharakter, ist die ursprünglich vorgesehene Wirkung verloren gegangen und es müssen auch gesunde Gehölze zu Gunsten des Gestaltungsplans weichen.

Enorme Kraftakte sind von Nöten, damit die Insel aufzublühen beginnt. Die ebenfalls wachsende Familie Bernadotte verbringt den Sommer in Süddeutschland und den Winter in Schweden. Das stete Steigen der Besucherzahlen wird ausgebremst durch die schwierigen Jahre vor, während und nach dem 2. Weltkrieg.

Neben der Entwicklung der Insel Mainau zur Blumeninsel unter Einbezug von Historie und Stellung in Europa zieht sich auch die schwierige Mutter-Sohn-Beziehung wie ein roter Faden durch die Lektüre. Jegliche Versuche von Seiten Lennart, ein besseres Verhältnis zu schaffen, enden in Enttäuschungen, umso erfolgreicher entwickelt sich sein Hobby Fotografieren zu einem zweiten beruflichen Standbein. Dem Namen Axel Munthe bin ich schon länger nicht mehr begegnet. Nach einem Ausflug auf die Insel Capri Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte ich sein «Buch von San Michele» gelesen, das ebenfalls in den Tiefen meiner Regale verschollen ist.

Den Schreibstil von Eva-Maria Bast empfand ich leider als eher schwerfällig. Der eigentlich spannende Stoff vermochte mich nicht so zu fesseln, wie ich es erwartet hatte. Der Roman «Die Blumeninsel» umfasst zwar gut 400 Seiten, endet aber zeitlich bereits Anfang der Neunzehnhundertfünfzigerjahre, also ungefähr in der Lebensmitte von Graf Lennart Bernadotte (1909 – 2004). Ob diese Tatsache auf eine Fortsetzung hoffen lässt?

Die Entfernung zwischen dem Sofagarten und der Insel Mainau beträgt etwa sechzig Kilometer. Da sollte es doch plan- und machbar sein, wieder einmal hinzufahren, bevor weitere sieben oder acht Jahre vergehen.

 

 

Eva-Maria Bast:
Die Blumeninsel im Bodensee
Piper Verlag, 2025

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

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