Andrea Tillmanns: Mathilda tanzt

Die pensionierte Biologin Mathilda hat sich etwas widerwillig dazu bereit erklärt, ihren Garten für den bevorstehenden Tag der offenen Gartentüren einem interessierten Publikum zu zeigen. Sie lebt seit ihrer Scheidung alleine, aber ihre Tage sind ausgefüllt mit Gärtnern und Lesen. Zuletzt hat sie ihren Gemüsegarten immer mehr reduziert, um Platz für weitere blühfreudige Stauden zu erhalten. Ihren grossen Garten hat sie über Jahrzehnte gestaltet und sie verbringt täglich mehrere Stunden darin. Sie liebt den direkten Kontakt mit der Erde und das Beobachten von Insekten. Durch das geschickte Anlegen von Hecken hat Mathilda verschiedene Räume geschaffen, deren unterschiedliche Bepflanzungen erst aus der Nähe ersichtlich sind, während der hintere Teil des Geländes relativ offen ist und der die Gartengrenze markierende Zaun durchaus überwindbar ist.

Die Hitze der letzten Tage ist vorbei, ohne dass die Blütenpracht im Garten allzu sehr gelitten hat. Trotzdem spürt Mathilda eine gewisse Nervosität. Mathilda empfindet ein Wechselbad von Gefühlen zwischen Vorfreude auf nette neue Gartenbekanntschaften und Angstverdrängung vor vielleicht unangenehmen Besuchern. Jedenfalls ist Mathilda an besagtem Sonntagmorgen ihrer Teilnahme an der Aktion «Aachener offene Gärten» schon sehr früh wach. Und obwohl sie genau weiss, dass ihre Beete tadellos sind, macht sie nochmals eine Runde durch den Garten und zupft hier und da eine verwelkte Blüte ab.

Die rüstige Mitsechzigerin gärtnert naturnah und ihr widerstrebt penible Ordnung in ihrem grünen Reich. Wegen ihrer Totholzstapel und Trockenmauern hat Mathilda schon mehr als eine Diskussion mit ihren Nachbarinnen geführt. Während ihrem Rundgang entdeckt Mathilda plötzlich einen toten Mann auf ihrer Sonnensitzbank. Unschwer erkennt sie aufgrund dessen Verletzungen, dass er mit ihrer unhandlichen Gartenskulptur «Waltzing Mathilda» erschlagen worden ist, die nämlich nicht mehr an ihrem angestammten Platz steht. Mathilda alarmiert die Polizei und geht natürlich davon aus, dass sich mit diesem Leichenfund das Thema «Offene Gartentüre» erledigt hat. Und sie stellt sich Fragen wie «Wer ist dieser tote Mann?» und «Warum wurde er in ihrer Gartenoase ermordet?»

Wohl der dichterischen Freiheit wegen geben die Polizeibeamten den Tatort so rasch wieder frei, dass Mathilda nichtsdestotrotz pünktlich ihren Garten anlässlich der «Offenen Gartenpforte» für Gäste öffnen darf. Nicht einmal die direkten Nachbarinnen haben etwas Konkretes vom Einsatz der Spurensicherung mitbekommen oder werden von Mathilda über den toten Mann im Garten informiert. Die während dem Sonntag kommenden und gehenden neugierigen Gartenbesucher lenken Mathilda ab. Doch als sie wieder alleine ist, wandern ihre Gedanken immer wieder zum Moment, als sie den Toten entdeckt hat und sie fühlt sich wie in einem schlechten Film.

Nicht einmal durch Gärtnern, kann sie am nächsten Tag abschalten. Sie glaubt zwar nicht, dass sie selber in Gefahr ist, doch sie sie fühlt sich nicht mehr wohl rund ums Haus. Durch das Verhalten der ermittelnden Kommissare, glaubt Mathilda sogar, dass sie unter Mordverdacht steht. Argwöhnisch und am Ermittlungsansatz der Polizei zweifelnd, versucht sie deshalb, auf eigene Faust Informationen über mögliche Motive und Tathintergründe zu erfahren. Sie untersucht ein am Tatort gefundenes, nicht aus ihrem Garten stammende Blatt unter dem Mikroskop. Aber nachdem sie die Ehefrau des Mordopfers ausgefragt hat, wird sie von einem Velofahrer angefahren. Der für die Heilung des gebrochenen Arms notwendige Gips bringt einigen zusätzlichen Trubel in Mathildas Leben, führt aber auch dazu, dass die Erfüllung eines lang gehegten Gartentraums in greifbare Nähe rückt.

Der Gartenkrimi «Mathilda tanzt» von Andrea Tillmanns verfügt über einen beachtlichen hortikulturellen Hintergrund und die Leserin erfährt auch den Hintergrund des gleichnamigen Volksliedes. Einige Passagen fand ich etwas seltsam (z.B. jene rund um die Rechtsmedizin), werden von mir aber ebenfalls unter dichterischer Freiheit abgehakt.

 

 

Andrea Tillmanns:
Mathilda tanzt
Books on Demand, 2025

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

 

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